Am 5. April 2019 machen wir uns auf den Weg zum Tuamotu-Archipel, das wir von Süd-Ost nach Nord-West erkunden wollen. Unsere erste Anlaufstelle ist Makemo, ca. 500 Seemeilen entfernt. Die Reise dorthin ist windarm, so dass wir leider viel motoren müssen. Eine große Herausforderung beim Besuch von Atollen ist die Einfahrt durch die mehr oder weniger großen Pässe. Makemos Einfahrt, der Pass Arikitamiro, ist eine der einfacheren, da breit und tief und bei einigermaßen ruhigem Wetter jederzeit zu befahren. Insofern müssen wir nicht auf das Stillwasser warten.

Laut Wikipedia ist Makemo das viertgrößte Atoll des Tuamotu-Archipels, 70 km lang und zwischen 7 und 17 km breit. Es leben dort ca. 1.500 Einwohner und das Atoll hat sogar einen Flughafen. Wir ankern in der Bucht vor dem Ort Pouheva, der einfache Einkaufsmöglichkeiten bietet. U.a. auch eine Boulangerie (Bäckerei), bei der wir Baguette und Croissants vorbestellen können. Auch andere Boote der WARC Flotte sind nach Makemo gekommen und wir genießen ein gemeinsames Abendessen im einzigen Restaurant vor Ort.

Unsere nächste Anlaufstelle ist Tahanea. Damit folgen wir der Empfehlung eines Franzosen, der auf Tahiti lebt und augenscheinlich das Archipel wie aus seiner Westentasche kennt.

Mit Tahanea sind wir nun wirklich im einsamen und entlegendem Südseeparadies angekommen. Wir ankern in türkisblauem Wasser in nächster Nähe zum Riff-Ufer. Vom Schiff aus können wir zu kleinen Schnorcheltouren aufbrechen und sind mittendrin im maritimen Leben - Haie inklusive.

Chanto, Makara, Mango und Tumi folgen ebenfalls der Empfehlung, Tahanea zu besuchen. Insofern sind wir eine kleine vertraute Truppe. Auf der Seaside veranstalten wir spontan ein abendliches Crewessen. Jeder steuert etwas dabei. 15 Personen finden im Cockpit Platz. Am nächsten Tag gibt es ein gemeinsames Barbecue am "Strand".

Und dann ist da noch unser Tagesausflug zur Südspitze Tahaneas. Dank eines privat erstellten Compediums haben wir Wegepunkte anhand derer wir uns durch das Atoll bewegen. Zur Sicherheit hat Lutz von der ersten Saling aus, Ausguck nach Korellenköpfen und Flachs gehalten.

An der Südspitze treffen wir auf Einsamkeit pur. Nur Teile des Atolls sind bewachsen, andere Bereiche werden bei Flut überschwemmt. Für Torsten eine tolle Gelegenheit, mit seiner Drohne Luftaufnahmen zu machen.

Unsere nächste Anlaufstelle ist das Atoll Fakarava. Ursprünglich wollten wir durch den Süd-Pass fahren, aufgrund der Windrichtung und Stärke segeln wir jedoch an der Ostküste des Atolls entlang zum Nordpass und werfen den Anker vor der Ortschaft Rotaova. Rotaova ist ein sehr betriebsamer Ort, mit zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten, einem kleinen, aber feinen Yachtservice und einige Cafés oder Restaurants, in den man auf gutes WiFi trifft. Fakarava wird auch von kleineren Kreuzfahrtschiffen aufgesucht. Morgen werden die Kreuzfahrer an Land geschifft, nachmittags wird es dann wieder stiller. Am Mittwoch vor Ostern kommt das Versorgungsschiff nach Rotaova. Endlich gibt es wieder frische Lebensmittel. Wir haben Diesel vorbestellt, den wir dann direkt vom Schiff per Tankschlauch einfüllen.

Und dann machen wir es wahr: Wir segeln und motoren im ausgetonnten Fahrwasser nach Fakarava-Süd. Bereits im Vorfeld haben Dagmar und Jens uns diesen Platz zum Tauchen und Schnorcheln ans Herz gelegt. Andere Crews der ARC Flotte erzählen ebenfalls ganz begeistert von ihren Taucherlebnissen direkt im Südpass.

Torstens Ohrinfektion ist ausgeheilt, so dass er an 2 Tagen tauchen kann. Beeindruckende Bilder entstehend dabei von der Unterwasserwelt. Hunderte von Haien leben in diesem Südpass.

Auch für Lutz und Ulrike ist es ein einzigartiges Erlebnis, im Pass zu schnorcheln. Bei Stillwasser beziehungsweise einlaufendem Wasser begeben wir uns ins Wasser. Das Dinghy ziehen wir an langen Leinen hinter uns her. In der Tiefe sehen wir die Haie, aber auch aus direkter Nähe. Und dann sind da noch eine Vielzahl von kleineren und mittelgroßen Fischen, die vor unseren Augen vorbeiziehen. Und dann die Vielfalt und Farbigkeit der Korallen. Einfach klasse!

Unsere letzte Anlaufstelle im Tuamotu-Archipel ist Taou (sprich Ta-uu). Wir ankern in der Bucht Anse Amyou - eine Einfahrt in das Atoll ist an dieser Stelle nicht möglich.

Und wieder ein einsames Paradies mehr, auch wenn zwischenzeitlich 12 Boote dort festgemacht haben. Auch hier wieder in direkter Nachbarschaft des Liegeplatzes ein

Schnorchelparadies. Teilweise haben wir nur 2 Meter Wassertiefe, so dass wir zwischen den Korallenköpfen entlang schwimmen. Es ist fast so, als ob wir in einem Aquarium schwimmen, die Fische in greifbarer Nähe. Allerdings sind diese nicht zutraulich, sondern schwimmen schnell davon, wenn man ihnen zu nahe kommt.


Eine weitere Attraktion dieser Bucht ist das Strand-Restaurant von Gaston & Valentine, ein einheimisches Ehepaar. Valentine ist auf Taou geboren und aufgewachsen, Gaston hinzugezogen, Abendessen gibt es nur gegen Vorbestellung. Aber auch das ist keine Garantie. Unser "Reservierung" für Dienstagabend wurde auf Mittwoch verschoben. Die Gäste von Montagabend waren zahlreich und hatten alle Vorräte aufgefuttert. So musste Gaston am Dienstag erst wieder fischen gehen - Ausbeute Fischfilets von 20 Papageienfischen - und ein Schwein schlachten. Tumi bringt zudem noch vorbestellte Vorräte aus Fakarava mit. Aber die Geduld hat sich gelohnt. Valentine und Gaston sind hervorragende Köche. Das Menü des Abends: Rohes Papageienfischfilet-Tartar an Zitronen-Kokosmilch-Sauce (die Kokosmilch ist ebenfalls selbst gewonnen), gegrilltes Schwein, gegrilltes Fischfilet, Huhn (aus eigenem Haus), Röstis aus Brotfrucht (eigene Ernte), Reis, frisch gebackenes Brot und zum krönenden Abschluss ein üppiges Stück Schokoladenkuchen.

Am 25. April 2019, bei erstem Tageslicht, lichten wir den Anker und setzen die Segel Richtung Tahiti. 240 Seemeilen liegen vor uns und wir planen, am nächsten Tag zu Mittagszeit anzukommen.